Ein Elektriker aus der Region rief mich an, weil er trotz guter Google-Sichtbarkeit kaum Anfragen über seine Website bekam. Er vermutete ein SEO-Problem. Als ich mir die Seite angesehen habe, war die Diagnose eine andere: Die Website hatte Besucher – aber sie vertrieb Kunden, ohne dass es auf den ersten Blick auffällig gewesen wäre. Keine grellen Fehler, kein zerbrochenes Design. Nur fünf Punkte, die in Summe dafür sorgten, dass Interessenten die Seite wieder verließen, bevor sie den Kontaktbutton auch nur gesehen hatten. Diese Punkte sehe ich bei fast jeder Website, die mir Unternehmer zur Analyse vorlegen.
Zeichen 1: Die Navigation verwirrt statt zu führen
Die Navigation ist das erste, was ein Besucher unbewusst einordnet – und das erste, was ihn verlieren kann. Zu viele Punkte, verschachtelte Menüs mit Untermenüs, Bezeichnungen, die intern logisch klingen, für Außenstehende aber nichts sagen: Das alles bremst den Besucher, bevor er auch nur eine Zeile Text gelesen hat. Zehn Navigationspunkte fühlen sich nach Auswahl an, wirken aber in Wirklichkeit wie ein Irrgarten.
Eine Faustregel, die ich in der Praxis immer wieder empört und dann bestätigt sehe: Vier bis sechs Navigationspunkte sind genug. Mehr braucht kein kleines Unternehmen. „Leistungen“, „Über uns“, „Referenzen“ und „Kontakt“ – wer das sauber strukturiert, gibt Besuchern sofort Orientierung. Wer zusätzlich „Aktuelles“, „Karriere“, „Partnerunternehmen“, „Presse“ und „Zertifizierungen“ einbaut, lenkt von dem ab, was wirklich zählt: dass der Besucher eine Anfrage stellt.
Zeichen 2: Es gibt keinen klaren nächsten Schritt
Stell Dir vor, Du betrittst ein Ladengeschäft. Der Inhaber ist nicht da, niemand spricht Dich an, es gibt keine Schilder, die Dir sagen, wohin Du gehen sollst. Du schaust Dich kurz um – und gehst wieder. Genau das passiert auf Websites, die keinen klaren Call-to-Action haben. Der Besucher liest, findet vielleicht sogar gut, was er sieht – und weiß trotzdem nicht, was er jetzt tun soll.
Dabei ist es nicht nur ein Problem, wenn gar kein Call-to-Action vorhanden ist. Mindestens genauso schädlich ist es, wenn drei oder vier Buttons in gleicher Größe und gleichem Gewicht nebeneinander stehen: „Mehr erfahren“, „Portfolio“, „Kontakt aufnehmen“, „Newsletter abonnieren“. Wer auf alles gleichzeitig aufmerksam machen will, macht auf nichts wirklich aufmerksam. Jede wichtige Seite einer Website sollte genau eine primäre Handlungsaufforderung haben – eindeutig formuliert, gut sichtbar platziert, und mit einem Text, der den Nutzen nennt: „Kostenloses Angebot anfordern“ funktioniert besser als „Kontakt“.
Zeichen 3: Auf dem Smartphone ist die Seite eine Zumutung
Mehr als 60 Prozent aller Suchanfragen finden heute über mobile Geräte statt. Trotzdem sehe ich regelmäßig Websites, die auf dem Desktop ordentlich aussehen, auf dem Smartphone aber kaum zu bedienen sind: Texte, die zu groß zum Lesen oder zu klein zum Antippen sind, Buttons, die am Rand angeschnitten werden, und Formulare, bei denen man drei Mal zoomen muss, um ein Feld auszufüllen. Und wenn die Seite dann auch noch länger als drei Sekunden lädt, ist ein Großteil der Besucher bereits weg – laut Google verlassen 53 Prozent der Mobilnutzer eine Seite, die so langsam ist.
Der einfachste Test: Das eigene Smartphone nehmen, die Seite aufrufen und versuchen, das Kontaktformular auszufüllen. Nicht als Webdesigner oder Inhaber, der die Seite auswendig kennt – sondern als jemand, der sie zum ersten Mal sieht und etwas anfragen möchte. Wer dabei ärgerlich wird, hat einen klaren Hinweis, was zu tun ist. Zusätzlich gibt Google PageSpeed Insights kostenlos konkrete Hinweise darauf, wo die Seite Probleme hat und wie gravierend sie sind.
Zeichen 4: Die Texte reden über das Unternehmen, nicht über den Kunden
Es gibt einen Satz, den ich auf gut der Hälfte aller kleinen Unternehmenswebsites in irgendeiner Form finde: „Wir sind seit über 20 Jahren in der Branche tätig und bieten unseren Kunden qualitativ hochwertige Lösungen aus einer Hand.“ Dieser Satz sagt nichts, das dem Besucher hilft. Er beschreibt das Unternehmen – nicht das, was der Besucher davon hat. Und das ist der entscheidende Unterschied zwischen einem Text, der Kunden gewinnt, und einem, der sie verliert.
Jemand, der auf einer Handwerker-Website landet, hat ein konkretes Problem. Er möchte wissen: Kannst Du mir helfen? Wie schnell? Was kostet es ungefähr? Gibt es einen Haken? Ein Satz wie „Rohrleck in Küche oder Bad? Ich bin in der Regel innerhalb von 90 Minuten bei Ihnen“ beantwortet das sofort. Er ist konkret, er ist auf den Kunden zugeschnitten – und er macht neugierig auf den Rest der Seite. Der Wechsel von „wir sind toll“ zu „das löse ich für Sie“ ist keine Kleinigkeit. Es ist oft der größte einzelne Hebel, den ich bei einer Website-Überarbeitung habe.
Ich entwickle Websites, die nicht nur gut aussehen – sondern klar führen, Vertrauen aufbauen und aus Besuchern echte Anfragen machen.
Zeichen 5: Es gibt keinen Beweis, dass man hier richtig ist
Wer eine Dienstleistung in Anspruch nimmt, trifft eine Vertrauensentscheidung. Er überlässt jemandem Geld, Zeit, Zugang zu seinen Räumen oder seine persönlichen Daten – und hofft, dass das eine gute Idee war. Bevor jemand diesen Schritt macht, sucht er unbewusst nach Signalen, die bestätigen, dass er richtig liegt. Auf einer Website sind das: echte Kundenbewertungen, konkrete Referenzen, ein echtes Foto des Inhabers und ein Impressum, das zeigt, dass hinter der Seite eine reale Person steckt.
Was ich stattdessen häufig sehe: Stockfotos von lächelnden Menschen, die offensichtlich nichts mit dem Betrieb zu tun haben, keine einzige Bewertung, keine abgeschlossenen Projekte und ein Name irgendwo ganz unten im Impressum – wenn überhaupt. Das Ergebnis ist eine Website, die professionell aussehen soll, aber kein Vertrauen aufbaut. Ein einziges echtes Foto von sich selbst, drei Google-Bewertungen mit echter Sternebewertung und ein konkretes abgeschlossenes Projekt – das ist mehr wert als jede professionelle Hochglanzoptik, hinter der keine Substanz steckt. Wie dieser Vertrauensaufbau auch für lokale Sichtbarkeit bei Google genutzt werden kann, erkläre ich im Artikel über Lokale SEO für kleine Unternehmen.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob meine Website Kunden verliert?
Der klarste Hinweis: Die Website hat messbaren Traffic, aber kaum Kontaktanfragen. Weitere Warnsignale sind eine hohe Absprungrate, eine schlechte Mobile-Bewertung in Google PageSpeed Insights und kein eindeutiger Call-to-Action auf der Startseite. Am einfachsten: die Seite mit dem eigenen Smartphone aufrufen und versuchen, als Erstbesucher eine Anfrage zu schicken – wer dabei frustiert wird, sieht das Problem aus Kundensicht.
Was ist der häufigste Fehler auf kleinen Unternehmenswebsites?
Am häufigsten sehe ich zwei Probleme: Texte, die über das Unternehmen sprechen statt über den Nutzen für den Kunden, und einen fehlenden oder zu schwachen Call-to-Action. Eine Seite, die gut aussieht, aber keine klare Handlungsaufforderung hat, lässt Interessenten einfach wieder gehen – ohne Spur zu hinterlassen.
Was kostet eine Website-Überarbeitung?
Das hängt stark davon ab, wie viel angepasst werden muss. Eine gezielte Überarbeitung einzelner Seiten – Texte schärfen, CTA ergänzen, Formular vereinfachen – ist deutlich günstiger als ein kompletter Neuaufbau. Worum es geht und was eine professionelle Website in verschiedenen Ausprägungen kostet, erkläre ich im Artikel über die Kosten einer professionellen Website.
Kann ich diese Fehler selbst beheben?
Einige schon: Texte anpassen, Kontaktdaten sichtbarer platzieren, ein Foto von sich ergänzen – das geht oft ohne technisches Know-how. Für technische Anpassungen wie Ladezeit-Optimierung oder strukturelle Änderungen braucht man in der Regel jemanden, der die zugrunde liegende Technik kennt.
Fazit: Die Website, die vertreibt, sieht man nicht auf den ersten Blick
Das ist das Heimtückische an diesen fünf Zeichen: Sie fallen nicht sofort auf. Die Website sieht ordentlich aus, lädt irgendwie, hat irgendwo einen Kontaktlink. Aber sie führt nicht, sie überzeugt nicht, sie baut kein Vertrauen auf – und sie ist auf dem Smartphone kaum zu bedienen. Wer sich die Mühe macht, die eigene Seite mit den Augen eines potenziellen Kunden zu betrachten, sieht die Probleme meist sofort. Und wer sie behebt, stellt oft fest, dass mehr Anfragen keine Frage des Traffics waren – sondern der Qualität der Seite, die den Traffic empfängt.